Eine Streuobstwiese,

... was ist das? 

Eine Streobstwiese besteht aus hochstämmigen Obstbäumen und wird ohne Einsatz synthetischer Mittel gepflegt und bewirtschaftet. Sie bekommt ihren besonderen Charakter durch die gembischte Altersstruktur der Bäume. Eine Streuobstwiese wird traditionell zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht oder extensiv beweidet. Die Ernte der verschiedenen Obstsorten erfolgt manuell zur jeweiligen Reifezeit.
Ökologisch ist eine Streuobstwiese sehr wertvoll, da ihre schonende Bewirtschaftung sowie ihre alten und abgängigen Bäume vielen Tier- und Pflanzearten Unterschlupf und Nachwuchsquartier bieten.

... und wie geht das?

Standortwahl:

  • Sonneneinstrahlung ist wichtig, deshalb am Besten einen Nord-Süd Ausrichtung.
  • Optimale Bodenverhältnisse, also keine Staunässe und gutes Kleinklima ist wichtig.

 

Sortenwahl:

  • Sorten nicht nach "Gut klingenden Namen" oder "Bekanntheitsgrad" auswählen.
  • Alte und für die Rhön typische Sorten auswählen. Die Besten Empfehlungen erhält man vom Fachmann, also ener in der Rhön ansässigen Baumschule.

 

 Bestäubung:

  • Ein guter Ertrag ist nur möglich, wenn die Bestäubung gesichert ist. Dies erfolgt nicht ausschließlich über Insekte - bestimmte Apfelsorten dürfen nicht fehlen!

 

Erfahrung und Beobachtungen:

  • Für die Rhön ungeeignete Sorten und "Billigbaäume" aus dem Baumarkt wachsen oft nicht an oder wachsen nur sehr schlecht, meist tragen sie nie!
  • Tragen diese Bäume dann doch, dann sind es oft nicht die sorten, die mann einst erworben hat; und nach 8-10 Jahren kann nichts mehr reklamiert werden. 

   "Beratung und Baumkauf ist Vertrauenssache!"

Was soll denn das, "ApfelKlugscheissen"?

Unsere Rhöner "ApfelFee" Maike Pfannmüller nennt einige von uns Vorstandsmitgliedern gerne "Apfel-Klugscheisser". Dies soll aber keine Beschimpfung oder Verunglimpfung sein, nein ganz im Gegenteil: Für unsere Maike ist dies eine hohe Anerkennung für besonders viel "Apfel-Intelligenz". Mich hat sie leider noch nicht als ApfelKlugscheisser gelobt...

Jürgen H. Krenzer

Ganz schön bissig

Ein Märchen aus dem Supermarkt

Es war einmal im Supermarkt.
Dort lag ein Apfel, kurz geparkt.
Er war sehr eitel, musst du wissen,
und manchmal auch ganz schön gerissen.

Der Apfel bildete sich ein:
„Ich muss doch wohl der Beste sein!“
Im Supermarkt da stand ein Spiegel,
gleich bei der Truhe mit Geflügel.

Der Apfel stellte sich davor
und fragte listig mit Humor:
„Spieglein, Spieglein an der Wand.
Wer ist der Schönste im ganzen Land?“

Der Spiegel dachte lange nach.
Wie sag ich´s ihm, oh weh und ach?
Er tat es schließlich ganz dezent,
weil er ja diesen Apfel kennt:

„In diesem Haus bist du der Beste.
Denn im Regal, da sind nur Reste.
Doch in den Rhöner Bergen draußen
da gibt´s nen Ort und der heißt Hausen.

Dort sind die Äpfel ungespritztund
die Bewohner sehr gewitzt:
Sie pflanzen vierzig alte Sorten,
die kennt man kaum an andren Orten.

Die alten Sorten sind robustund
kerngesund, voll Lebenslust.
Das schützt sie, glaub mir, ganz getrost
vor manchem Schädling, manchem Frost.

Die Sortenvielfalt zahlt sich aus.
Ja, diese Leute sind fein raus.
Denn ihre Äpfel schmecken pur.
Sie sind die Besten der Natur.

Da wird der Apfel rot und laut:
„Verdammt, ich habe dir vertraut.
Ich bin der Beste vom Labor.
Was andres kommt mir nicht zu Ohr.

Chemie ist eine feine Sache,
Natur ist Quatsch, dass ich nicht lache.
Mich gibt’s zu jeder Jahreszeit,
im Sommer und wenn’s kräftig schneit.

Und mein Geschmack ist immer gleich
,dank Spritze werd´ ich niemals weich.
Ich bin genormt und registriert.
Das meine ich ganz ungeniert.

Ich sag es dir von vornherein:
Ein Apfel muss nur billig sein!
Dann greifen alle Leute zu.
Das ist der Gag, das ist der Clou!“

Der Spiegel denkt ganz süffisant:„
Das alles ist mir so bekannt.
Das muss der giftig Apfel sein,
in den biss das Schneewittchen rein!“

Peter Schott, Hausen/Rhön

Vom Baum bis ins Glas

Die Geschichte, wie aus heimischen Äpfeln Wein wird

Wer liebt ihn nicht? Spritziger Apfelwein ist die Erfrischung des Sommers schlechthin. Für diejenigen, die im nächsten Jahr ihr eigenes „Stöffche“ genießen wollen, erklärt uns die Hessische Apfelweinkönigin Maike I, wie der Apfel vom Baum ins Fass und schließlich ins Glas kommt.

Am besten fangen wir also ganz vorne an: Ohne Baum kein Apfel, weswegen man möglichst eine Streuobstwiese mit hochstämmigen Apfelbäumen anlegen sollte – und diese am besten auch gleich Bio-zertifizieren lässt. Nach zehn bis 15 Jahren tragen die dann Bäume richtig und man kann sich an die Ernte machen. Haupterntezeit ist in unserer Region der Oktober – verschiedene Apfelsorten werden aber auch früher oder später reif. Auf jeden Fall müssen die Äpfel bei der Ernte „baumreif“ sein. Das ist dann der Fall, wenn sich die Früchte durch leichtes Drehen vom Baum lösen lassen, ohne das dabei das Fruchtholz zu beschädigen.

Lässt man die Äpfel von einer Kelterei weiterverarbeiten, ist man jetzt schon fast fertig: Die Äpfel werden zu einer der Apfelannahmestellen gebracht, wo man sie gegen Apfelsaft oder Apfelwein eintauschen kann.

Will man jedoch seinen eigenen Apfelwein herstellen, geht die Arbeit nach der Ernte erst richtig los: Ungeschält, unentkernt und mit Stiel wird aus den Äpfeln zunächst ein grobes Apfelmus hergestellt. Dieses Mus wird dann ausgepresst und der frisch gepresste Saft wandert als „Direktsaft“ ins Fass. Danach sollte man sich auf den Weg zum Apotheker oder Drogeristen seines Vertrauens machen, denn unter Zuhilfenahme von „Reinzuchthefe“ ist die Wahrscheinlichkeit größer, das aus dem Apfelsaft auch wirklich Apfelwein wird. Mit der richtigen Dosierung von Hefe zu Saft sollte das Fass dann die nächsten Tage relativ warm stehen – bestenfalls über 15 Grad. Der Behälter, der zu circa 4/5 gefüllt wird, und in dem der Gärvorgang dann vor sich geht, darf in dieser Zeit auf keinen Fall fest verschlossen werden: Die Hefe verwandelt den Zucker im Saft in Alkohol – als Gärnebenprodukt entsteht Kohlensäure, die aus dem Behälter entweichen können muss. Nach der Hauptgärphase von circa einer Woche muss der Behälter dann kühler gestellt werden, möglichst in den kühlsten Raum des Hauses. Vorsicht: Besser nicht den Kartoffelkeller wählen, den sonst nimmt der Apfelwein diesen Geschmack an.

Jetzt ist erstmal abwarten angesagt: Um Weihnachten herum kann man schon mal den ersten selbst gemachten Apfelwein probieren. Der Feiertag „Heilige Drei Könige“ am 6. Januar ist ein traditionelles Datum, das man bei der Apfelweinproduktion beachten sollte: Bis dahin haben sich die Trübstoffe im Fass abgesetzt und man kann nun die Hefe „abziehen“: Meist wird zur Produktion ein Behälter mit Zapfhahn verwendet. Man lässt nun einfach den Apfelwein heraus, die Hefe setzt sich am Boden ab. Jetzt den Behälter reinigen und wieder hinein mit dem Apfelwein. Wichtig ist, dass der Behälter nun randvoll gefüllt wird, damit eine weitere Oxidation verhindert wird. Soll sich der Apfelwein über den Sommer halten, muss er jetzt noch geschwefelt werden.

Unter www.rhoenapfel.de und www.hessische-wirtshauskelterer.de findet man übrigens viele weitere Infos rund um de Ebbelwei.

Gutes Gelingen und Zum Wohlsein!

Maike I.

Wann sollte man Obst ernten?

Baum- und Genussreife

Der Haupt-Ernte-Monat für Äpfel ist der Oktober. Auch in frühen Erntejahren wie diesem, kann sich in der Rhön die Ernte ganz später Sorten auch bis in den November ziehen. Adam Zentgraf vom Streuobstlehrpfad Hausen, erklärt worauf bei der Ernte geachtet werden muss.

Grundsätzlich muss zwischen Baumreife und Genussreife unterschiedene werden. Die Baumreife ist dann eingetreten, wenn sich die Frucht durch leichten Dreh vom Baum lösen lässt, ohne das Fruchtholz zu beschädigen. Das ist der richtige Zeitpunkt für die Ernte. Dieser Zeitpunkt kann in der Rhön jedoch – je nach Höhenlage und Sorte – ganz verschieden sein. Grundsätzlich gilt: Man sollte sich bei frühzeitigem Fruchtfall im August oder September nicht dazu verleiten lassen alles Obst von den Bäumen zu schlagen und in die Kelterei oder Sammelstellen zu bringen, denn dieses Obst ist meist von minderer Qualität. Es ist entweder von Schädlingen befallen oder bei übervollem Behang wirft der Baum einen Teil ab, ohne die Baumreife zu erreichen, was dem verbleibenden Teil zu Gute kommt. In den früheren Zeiten hat man dieses Obst dem Vieh verfüttert. Unbedingt sollte man es aufsammeln und vernichten, um den Schädling allmählich zu vermindern. Für Tafelobst gilt, das Obst bei Baumreife zu ernten, um hochwertige Qualitätsfrüchte einlagern zu können. Die Genußreife hierfür kann sich bei guter Lagerung je nach Sorte bis in den Frühling hinein ziehen. Zum Vermosten ist die Genußreife ohne Bedeutung. Die meisten Sorten fallen bei der Baumreife alleine vom Baum. Nur ganz frühe Sorten sollte man vor dem Mehligwerden schütteln. Auch ganz späte Sorten wie Ontario, Boiken und Bohnapfel sind sehr sturmfest und müssen Ende Oktober / Anfang November geschüttelt werden.

Wann sind welche Apfelsorten reif?

In der downloadbaren Tabelle könnt ihr ablesen in welchem Monat die verschiedenen Apfelsorten reif sind und geerntet werden können.

 

Download (PDF, 38,5 KB)

Tauschen...

Tauschen zwei Menschen einen Apfel, hat jeder einen Apfel.

Tauschen zwei Menschen eine Idee, hat jeder zwei Ideen.

Pflanzanleitung

1. Auswahl des Grundstücks:
• windgeschützt
• keine Staunässe
• nicht in Hecken

2. Pflanzabstände:
• 8 m bei Zwetschgen
• 10 m bei Äpfeln, Birnen u. Kirschen
• 12 m bei Walnussbäumen

3. Pflanzzeit in d. Wachstumsruhe:
• Frühjahr
• Herbst

4. Standfestigkeit:
• Stützpfahl a. d. Wetterseite einschlagen
• Stützpfahl vor d. Pflanzen einschlagen

5. Wurzelschnitt:
• Wurzeln bis ins helle Gewebe anschneiden Schnitt soll nach unten zeigen

6. Pflanzung:
• 24 h ins Wasser stellen
• Wurzeln voll ausgebreitet in Pflanzgrube
• Veredlungsstelle einige cm über der Erdoberfläche
• Zw. Baum u. Pfahl eine Handbreit Abstand lassen

7. Pflanzerde:
• Aushuberde i. Pflanzgrube einfüllen
• Durch rütteln des Baumes Erde gut zwischen d. Wurzeln verteilen
• Erde festtreten
• Bei felsigen o. schlechten Böden Ede durch Kompost verbessern

8. Festbinden:
• Baum mit Cocosschnur i Form einer 8 festbinden
• Pfahl wegen scheuern nicht i. d. Krone ragen lassen

9. Wildverbiss:
• Gegen Wildverbiss eine Drahthose oder Kunststoffspirale anbringen

10. Wasserversorgung:
• Nach Pflanzung u. bei längerer Trockenheit i d. ersten Jahren gießen 14 –tägig 50-100 Liter Wasser je Baum

11. Pflanzschnitt:
• Im Frühjahr durchführen
• Einen durchgehenden Mitteltrieb u. 3-4 Seitentriebe stehen lassen

12. Erziehungsschnitt:
• I. d. ersten 5-8 Jahren jährlich Erziehungsschnitt u. Kontrollschnitt vornehmen

 

 

Download der Pflanzanleitung (PDF, 96 KB)

Zum Projekt: 1000 Apfelbäume

Drei-Länder-Kooperation zwischen Bayern, Hessen und Thüringen

Jürgen H. Krenzer, Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer der Rhöner Apfelinitiative e.V.


In der Rhöner Apfelinitiative kooperieren innerhalb einer Region Partner aus drei Bundesländern: Hessen, Bayern und Thüringen. Die Besonderheit dieser Kooperation besteht darin, dass nach der politischen Wende ein neues Bundesland hinzugekommen ist und die Rhön seit 1991 von der UNESCO als Biosphärenreservat prädikatisiert wurde...[mehr]


 

Rhöner Apfelinitiative e.V. • Eisenacher Straße 24 • D-36115 Ehrenberg-Seiferts/Rhön