Was soll denn das, "ApfelKlugscheissen"?

Die erste Rhöner "ApfelFee" Maike Pfannmüller nannte einige Vorstandsmitgliedern gern "Apfel-Klugscheisser". Dies soll aber keine Beschimpfung oder Verunglimpfung sein, nein ganz im Gegenteil: Für Quereinsteiger in das vielfältige Thema ist dies eine hohe Anerkennung für besonders viel "Apfel-Intelligenz". Mich hat sie leider noch nicht als ApfelKlugscheisser gelobt...

Jürgen H. Krenzer

Um allen Interessierten die Gelegenheit zu geben, das enorme Apfelwissen unserer Spezialisten zu teilen, haben wir unter "ApfelKlugscheissen"  seit damals viel Wissenswertes zusammen getragen.

Eine Streuobstwiese,

... was ist das?

Ökologisch ist eine Streuobstwiese sehr wertvoll, da ihre schonende Bewirtschaftung sowie ihre alten und abgängigen Bäume vielen Tier- und Pflanzearten Unterschlupf und Nachwuchsquartier bieten. Das BIO-Zertifikat stellt die Kontrollstelle ausdrücklich auf BIO-Streuobst aus. Hierzu ist mehr als der Verzicht auf Spritzmittel und sythetische Dünger gefordert.

  • Eine Streuobstwiese besteht aus hochstämmigen Obstbäumen mit mindestens 1,60 m Stammhöhe
  • Das Biotop bekommt seinen besonderen Charakter durch die gemischte Altersstruktur der Bäume und die Sortenvielfalt
  • Eine Streuobstwiese wird reglmäßig, etwa zweimal pro Jahr gemäht oder extensiv beweidet
  • Sie wird ohne Einsatz synthetischer Mittel wie Mineraldünger und Pestiziden gepflegt und bewirtschaftet
  • Die Ernte der verschiedenen Obstsorten erfolgt manuell zur jeweiligen Reifezeit.
Sortenwahl:
  • Alte und für die Rhön typische Sorten auswählen. Die Besten Empfehlungen erhält man vom Fachmann, also einer in der Rhön ansässigen Baumschule.
  • Diese Sorten sind an unser Klima und die Böden angepasst und dadurch widerstandsfähig.

    "Beratung und Baumkauf ist Vertrauenssache!"

 Bestäubung:

  • Ein guter Ertrag ist nur möglich, wenn die Bestäubung gesichert ist. Hierfür reichen nicht Insekten alleine - bestimmte Apfelsorten dürfen nicht fehlen!



Wann sollte man Obst ernten?

Baum- und Genussreife

Der Haupt-Ernte-Monat für Äpfel ist der Oktober. Auch in frühen Erntejahren wie diesem, kann sich in der Rhön die Ernte ganz später Sorten auch bis in den November ziehen. Adam Zentgraf vom Streuobstlehrpfad Hausen, erklärt worauf bei der Ernte geachtet werden muss.

Grundsätzlich muss zwischen Baumreife und Genussreife unterschiedene werden. Die Baumreife ist dann eingetreten, wenn sich die Frucht durch leichten Dreh vom Baum lösen lässt, ohne das Fruchtholz zu beschädigen. Das ist der richtige Zeitpunkt für die Ernte. Dieser Zeitpunkt kann in der Rhön jedoch – je nach Höhenlage und Sorte – ganz verschieden sein. Grundsätzlich gilt: Man sollte sich bei frühzeitigem Fruchtfall im August oder September nicht dazu verleiten lassen alles Obst von den Bäumen zu schlagen und in die Kelterei oder Sammelstellen zu bringen, denn dieses Obst ist meist von minderer Qualität. Es ist entweder von Schädlingen befallen oder bei übervollem Behang wirft der Baum einen Teil ab, ohne die Baumreife zu erreichen, was dem verbleibenden Teil zu Gute kommt. In den früheren Zeiten hat man dieses Obst dem Vieh verfüttert. Unbedingt sollte man es aufsammeln und vernichten, um den Schädling allmählich zu vermindern. Für Tafelobst gilt, das Obst bei Baumreife zu ernten, um hochwertige Qualitätsfrüchte einlagern zu können. Die Genußreife hierfür kann sich bei guter Lagerung je nach Sorte bis in den Frühling hinein ziehen. Zum Vermosten ist die Genußreife ohne Bedeutung. Die meisten Sorten fallen bei der Baumreife alleine vom Baum. Nur ganz frühe Sorten sollte man vor dem Mehligwerden schütteln. Auch ganz späte Sorten wie Ontario, Boiken und Bohnapfel sind sehr sturmfest und müssen Ende Oktober / Anfang November geschüttelt werden.

Wann sind welche Apfelsorten reif?

In der downloadbaren Tabelle könnt ihr ablesen in welchem Monat die verschiedenen Apfelsorten reif sind und geerntet werden können.

Die Tabelle enthält Empfehlungen für den richtigen Erntezeitpunkt. Dieser kann natürlich nach Witterungsverlauf variieren. Außerdem möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Äpfel in aller Regel  nachreifen und erst nach einer sortenabhängigen Lagerdauer die sogenannte Genussreife erlangen.

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Welchen Apfel nehme ich wofür?

Das hatte ich mir einfacher vorgestellt. Ich hatte geglaubt, zumindest die Spezialisten der Apfelinitiative könnten mir exaktere Hinweise zur Verwendung von Äpfeln geben.

Aber der Reihe nach: Ich wäre eine miese Geschäftsführerin, wenn ich Äpfel nicht auch essen und durch Verarbeitung haltbar machen würde. Aber ich gehöre zu der Generation, die in der Schule keinen Kochunterricht hatte und bin manchmal vom Ergebnis meiner Küchenaktivitäten überrascht. Dabei gab es sehr positive Überraschungen. Und dass manches Ergebnis mit der Sortenwahl zu tun hatte, ahnte ich schon. Aber als ich nachgefragt habe, ob unsere Spezialisten zu den Bezeichnungen Wirtschaftsapfel, Mostapfel und Tafelapfel genauere Verwendungsangaben machen konnten, habe ich mal wieder gemerkt wie vielfältig das Thema Rhönapfel ist.

Es kommt auf viel mehr Faktoren an als ich dachte. Wofür sich eine Sorte eignet, hängt nämlich beispielsweise auch von der Unterlage für die Veredlung, vom Wetterverlauf hinsichtlich Sonne, Wärme und Wasser und vom Kleinklima des Standorts ab.

Getröstet hat mich das aber auch, denn es lag wohl nicht nur an Unwissen rund um Sorten und Verarbeitungstechniken. Und mit meiner Experimentierfreude habe ich schon viele Leckereien hergestellt, die einmalig waren, gerade weil Äpfel nicht überall und jedes Jahr gleich sind. Deshalb kann ich alle nur ermuntern, einfach mal die vielseitige Verwendung unserer Rhönäpfel auszuprobieren. Oder Sie kaufen die Produkte unserer kreativen regionalen Hersteller.

Apfelfrische Küchengrüße von Ihre Astrid Schäfer

Ganz schön bissig

Ein Märchen aus dem Supermarkt

Es war einmal im Supermarkt.
Dort lag ein Apfel, kurz geparkt.
Er war sehr eitel, musst du wissen,
und manchmal auch ganz schön gerissen.

Der Apfel bildete sich ein:
„Ich muss doch wohl der Beste sein!“
Im Supermarkt da stand ein Spiegel,
gleich bei der Truhe mit Geflügel.

Der Apfel stellte sich davor
und fragte listig mit Humor:
„Spieglein, Spieglein an der Wand.
Wer ist der Schönste im ganzen Land?“

Der Spiegel dachte lange nach.
Wie sag ich´s ihm, oh weh und ach?
Er tat es schließlich ganz dezent,
weil er ja diesen Apfel kennt:

„In diesem Haus bist du der Beste.
Denn im Regal, da sind nur Reste.
Doch in den Rhöner Bergen draußen
da gibt´s nen Ort und der heißt Hausen.

Dort sind die Äpfel ungespritztund
die Bewohner sehr gewitzt:
Sie pflanzen vierzig alte Sorten,
die kennt man kaum an andren Orten.

Die alten Sorten sind robustund
kerngesund, voll Lebenslust.
Das schützt sie, glaub mir, ganz getrost
vor manchem Schädling, manchem Frost.

Die Sortenvielfalt zahlt sich aus.
Ja, diese Leute sind fein raus.
Denn ihre Äpfel schmecken pur.
Sie sind die Besten der Natur.

Da wird der Apfel rot und laut:
„Verdammt, ich habe dir vertraut.
Ich bin der Beste vom Labor.
Was andres kommt mir nicht zu Ohr.

Chemie ist eine feine Sache,
Natur ist Quatsch, dass ich nicht lache.
Mich gibt’s zu jeder Jahreszeit,
im Sommer und wenn’s kräftig schneit.

Und mein Geschmack ist immer gleich
,dank Spritze werd´ ich niemals weich.
Ich bin genormt und registriert.
Das meine ich ganz ungeniert.

Ich sag es dir von vornherein:
Ein Apfel muss nur billig sein!
Dann greifen alle Leute zu.
Das ist der Gag, das ist der Clou!“

Der Spiegel denkt ganz süffisant:„
Das alles ist mir so bekannt.
Das muss der giftig Apfel sein,
in den biss das Schneewittchen rein!“

Peter Schott, Hausen/Rhön

Vom Baum bis ins Glas

Die Geschichte, wie aus heimischen Äpfeln Wein wird

Wer liebt ihn nicht? Spritziger Apfelwein ist die Erfrischung des Sommers schlechthin. Für diejenigen, die im nächsten Jahr ihr eigenes „Stöffche“ genießen wollen, erklärt uns die Hessische Apfelweinkönigin Maike I, wie der Apfel vom Baum ins Fass und schließlich ins Glas kommt.

Am besten fangen wir also ganz vorne an: Ohne Baum kein Apfel, weswegen man möglichst eine Streuobstwiese mit hochstämmigen Apfelbäumen anlegen sollte – und diese am besten auch gleich Bio-zertifizieren lässt. Nach zehn bis 15 Jahren tragen die dann Bäume richtig und man kann sich an die Ernte machen. Haupterntezeit ist in unserer Region der Oktober – verschiedene Apfelsorten werden aber auch früher oder später reif. Auf jeden Fall müssen die Äpfel bei der Ernte „baumreif“ sein. Das ist dann der Fall, wenn sich die Früchte durch leichtes Drehen vom Baum lösen lassen, ohne das dabei das Fruchtholz zu beschädigen.

Lässt man die Äpfel von einer Kelterei weiterverarbeiten, ist man jetzt schon fast fertig: Die Äpfel werden zu einer der Apfelannahmestellen gebracht, wo man sie gegen Apfelsaft oder Apfelwein eintauschen kann.

Will man jedoch seinen eigenen Apfelwein herstellen, geht die Arbeit nach der Ernte erst richtig los: Ungeschält, unentkernt und mit Stiel wird aus den Äpfeln zunächst ein grobes Apfelmus hergestellt. Dieses Mus wird dann ausgepresst und der frisch gepresste Saft wandert als „Direktsaft“ ins Fass. Danach sollte man sich auf den Weg zum Apotheker oder Drogeristen seines Vertrauens machen, denn unter Zuhilfenahme von „Reinzuchthefe“ ist die Wahrscheinlichkeit größer, das aus dem Apfelsaft auch wirklich Apfelwein wird. Mit der richtigen Dosierung von Hefe zu Saft sollte das Fass dann die nächsten Tage relativ warm stehen – bestenfalls über 15 Grad. Der Behälter, der zu circa 4/5 gefüllt wird, und in dem der Gärvorgang dann vor sich geht, darf in dieser Zeit auf keinen Fall fest verschlossen werden: Die Hefe verwandelt den Zucker im Saft in Alkohol – als Gärnebenprodukt entsteht Kohlensäure, die aus dem Behälter entweichen können muss. Nach der Hauptgärphase von circa einer Woche muss der Behälter dann kühler gestellt werden, möglichst in den kühlsten Raum des Hauses. Vorsicht: Besser nicht den Kartoffelkeller wählen, den sonst nimmt der Apfelwein diesen Geschmack an.

Jetzt ist erstmal abwarten angesagt: Um Weihnachten herum kann man schon mal den ersten selbst gemachten Apfelwein probieren. Der Feiertag „Heilige Drei Könige“ am 6. Januar ist ein traditionelles Datum, das man bei der Apfelweinproduktion beachten sollte: Bis dahin haben sich die Trübstoffe im Fass abgesetzt und man kann nun die Hefe „abziehen“: Meist wird zur Produktion ein Behälter mit Zapfhahn verwendet. Man lässt nun einfach den Apfelwein heraus, die Hefe setzt sich am Boden ab. Jetzt den Behälter reinigen und wieder hinein mit dem Apfelwein. Wichtig ist, dass der Behälter nun randvoll gefüllt wird, damit eine weitere Oxidation verhindert wird. Soll sich der Apfelwein über den Sommer halten, muss er jetzt noch geschwefelt werden.

Unter www.rhoenapfel.de und www.hessische-wirtshauskelterer.de findet man übrigens viele weitere Infos rund um de Ebbelwei.

Gutes Gelingen und Zum Wohlsein!

Maike I.

Tauschen...

Tauschen zwei Menschen einen Apfel, hat jeder einen Apfel.

Tauschen zwei Menschen eine Idee, hat jeder zwei Ideen.

Pflanzanleitung

1. Auswahl des Grundstücks:
• windgeschützt
• keine Staunässe
• nicht in Hecken

2. Pflanzabstände:
• 8 m bei Zwetschgen
• 10 m bei Äpfeln, Birnen u. Kirschen
• 12 m bei Walnussbäumen

3. Pflanzzeit in d. Wachstumsruhe:
• Frühjahr
• Herbst

4. Standfestigkeit:
• Stützpfahl a. d. Wetterseite einschlagen
• Stützpfahl vor d. Pflanzen einschlagen

5. Wurzelschnitt:
• Wurzeln bis ins helle Gewebe anschneiden Schnitt soll nach unten zeigen

6. Pflanzung:
• 24 h ins Wasser stellen
• Wurzeln voll ausgebreitet in Pflanzgrube
• Veredlungsstelle einige cm über der Erdoberfläche
• Zw. Baum u. Pfahl eine Handbreit Abstand lassen

7. Pflanzerde:
• Aushuberde i. Pflanzgrube einfüllen
• Durch rütteln des Baumes Erde gut zwischen d. Wurzeln verteilen
• Erde festtreten
• Bei felsigen o. schlechten Böden Erde durch Kompost verbessern

8. Festbinden:
• Baum mit Cocosschnur i Form einer 8 festbinden
• Pfahl wegen scheuern nicht i. d. Krone ragen lasse

9. Wildverbiss:
• Gegen Wildverbiss z. b. Drahthose anbringen

10. Wasserversorgung:
• Nach Pflanzung u. bei längerer Trockenheit i d. ersten Jahren gießen 14 –tägig 50-100 Liter Wasser je Baum

11. Pflanzschnitt:
• Im Frühjahr durchführen
• Einen durchgehenden Mitteltrieb u. 3-4 Seitentriebe stehen lassen

12. Erziehungsschnitt:
• I. d. ersten 5-8 Jahren jährlich Erziehungsschnitt u. Kontrollschnitt vornehmen

Ausführliche Beratung gehört zur Kompetenz einer guten Baumschule. Wer hier seinen Baum kauft, bekommt wertvolle Tipps, wie man diesen gesund erhält!

Drei-Länder-Kooperation zwischen Bayern, Hessen und Thüringen

Jürgen H. Krenzer, Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer der Rhöner Apfelinitiative e.V.


In der Rhöner Apfelinitiative kooperieren innerhalb einer Region Partner aus drei Bundesländern: Hessen, Bayern und Thüringen. Die Besonderheit dieser Kooperation besteht darin, dass nach der politischen Wende ein neues Bundesland hinzugekommen ist und die Rhön seit 1991 von der UNESCO als Biosphärenreservat prädikatisiert wurde...[mehr]


 

Reif für die Ernte?

...was bedeutet das?

Vor allem: Äpfel dann ernten wenn sie reif sind, denn nur so erhalten sie auch eine entsprechend hohe Qualität an Saft. Die vielen verschiedenen Apfelsorten blühen zu unterschiedlichen Zeiten und müssen deshalb auch entsprechend geerntet werden. Unser Ziel muss es sein, nur reife und somit qualitativ hochwertige Äpfel zu ernten un an den Annahmestellen anzuliefern.

Die Apfelernte im Streuobstbau beginnt gegen Ende August. Hier sind "Weißer Klarapfel" oder "Gravensteiner" reif. Diese Sorten eignen sich jedoch nicht zum Keltern.
Mitte September und im Oktober hat die Apfelernte dann Hochsaison. Hier müssen die traditionellen Kelteräpfel wie "Schafsnase", "Berner Rosenapfel", "Rote Sternrenette", "Lohrer Rambour", "Prinzenapfel", "Boskoop", "Kasseler Renette", "Ontario" oder "Boikenapfel" geerntet und gekeltert werden.
Im November werden "Rheinischer Bohnapfel" oder "Roter Eiserapfel" reif. Diese späten Sorten eignen sich ebenfalls gut zum Keltern.


...und wie erkennt man das ein Apfel reif ist?

Es wird zwischen Baumreife und Genussreife unterschieden. Für das Keltern hat die Genussreife keine Bedeutung. Die Baumreife ist entscheidend. Sie ist dann eingetreten, wenn sich der Apfel durch leichtes Drehen vom Baum lösen lässt, ohne das Fruchtholz zu beschädigen. Viele Sorten fallen bei der Baumreife alleine vom Baum. Dann ist der richtige Zeitpunkt für die Ernte erreicht.

Grundsätzlich gilt: Bei Fruchtfall im August oder September nicht dazu verleiten lassen alle Äpfel von den Bäumen zu schütteln und an die Annahmestellen bringen, denn diese Äpfel sind von minderer Qualität. Sie sind noch nicht reif, von Schädlingen befallen oder werden bei übervollem Behang vom Baum abgeworfen.

Ganz späte Sorten sind oft sehr sturmfest und müssen Ende Oktober oder im November geschüttelt werden. Hier wird es zwar bereits kalt und ungemütlich bei der Ernte, das zahlt sich aber beim Saft aus, denn jetzt ist der Apfel vollreif und der Saft vorzüglich.

Rhöner Apfelinitiative e.V. • Eisenacher Straße 24 • D-36115 Ehrenberg-Seiferts/Rhön